Nach meinem Deutschlandurlaub im August, habe ich mich kurzfristig entschlossen einen Kurztrip nach Vietnam zu machen. Zusammen mit einem Kumpel bin ich also nach Ho Chi Minh City (Saigon) geflogen - das erste Mal in Asien. Ich hatte schon Zwischenstops in Singapur, aber aus dem Flughafen bin ich nie raus gekommen. Was mir von Singapur in Erinnerung geblieben ist, war die schwüle Hitze - selbst mitten in der Nacht - in den Raucherbereichen, welche in Singapur außerhalb des Gebäudes sind. Meine Erwartungen für Vietnam waren ähnlich.

Als wir dann aus dem klimatisierten Flughafen raus und gegen die Hitzewand gelaufen sind, war ich nicht sonderlich geschockt, aber doch ein wenig beunruhigt. Diese Hitze die ganze Zeit ist schon ein wenig belastend.

Und damit waren wir dann auch schon mitten im Chaos. Ich dachte, dass es vielleicht einen Shuttlebus in die Stadt gibt, also sind wir an den Taxis vorbei gegangen und als mir dann bewusst wurde, dass es keinen Shuttlebus gibt, kam ein Typ an und fragt uns "Taxi? Taxi?". Bevor wir mehr Zeit verschwenden konnten, sagten wir ja und handelten vorher den Preis aus. Circa 20 Euro um zum Hotel zu kommen? Klingt nicht so verkehrt. Das Auto in das wir stiegen, sah keinesfalls wie ein Taxi aus und wurde mehrfach und nicht besonders gut ausgebessert und repariert. In dem Moment habe ich kurz über die Möglichkeit nachgedacht, dass der Typ uns entführt und irgendwo vor einer Truppe von Kidnappern rauslässt. Aber wir waren mitten in der Stadt und der Typ schien sich gut auszukennen und war auch tatsächlich nur ein ein "privater" Taxifahrer - so ähnlich wie jemand, der Touren bei Uber anbietet - mit dem Unterschied, dass er damit ein Vermögen macht.

Im Hotel angekommen, erzählt uns doch der Typ an der Rezeption, dass eine Fahrt zum Flughafen eher um die zehn Euro kostet. Und damit wurden wir das erste Mal abgezockt. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.

Unser "Hotelzimmer" war ein Executive Apartment mit 4 Schlafzimmern, 3 Bädern, einer Riesenküche und einem gigantischen Wohnzimmer mit Esstisch, Couch, Fernseher und einer guten Stereoanlage. Im Schnitt haben wir um die 45 Euro pro Nacht bezahlt, was für ein 4-Sterne Hotel mit Pool und einem Executive Apartment ziemlich günstig ist. Für den gleichen Preis bekommt man in Melbourne ein Einzelzimmer im Hostel.

Wir kamen am Morgen an und somit hatten wir den halben ersten Tag noch vor uns. Wir nutzten ihn, um Saigons Innenstadt ein wenig zu erkunden. Neben der fast unerträglichen Hitze, war ich total außer mir! Was in Saigons Straßen abgeht, war schlicht und einfach nur krass. Autos sind in Vietnam extrem teuer, da man ungefähr den Kaufpreis noch mal in Importsteuern bezahlt. Die Alternative? Ein Moped oder Motorrad. Ich habe irgendwo gelesen, dass es in Saigon fast doppelt so viele Mopeds und Motorräder gibt, wie Menschen! Und Letztere allein sind um die acht Millionen.

Die Luft ist stickig von den ganzen Zweitakterabgasen, kombiniert mit doch einen recht strengen Geruch. Bürgersteige hören spontan auf und sind meist zugebaut mit parkenden Mopeds und Leuten, die Souvenirs, Futter und Kippen verkaufen. Wenn dann der Bürgersteig plötzlich aufhört, muss man logischerweise auf die andere Straßenseite. Glücklicherweise habe ich Top Gears "Vietnam Special" gesehen, wo Jeremy Clarkson erklärt, wie man in Saigon die Straße überquert. Man schaut gerade aus und läuft einfach über die Straße. Das klingt im ersten Moment tödlich, da hunderte Motorräder permanent an einem vorbei fahren.

Versuch Nummer eins war ein voller Erfolg. Man läuft sehr langsam, ein Fuß vor den Anderen in die Straße und die Motorräder weichen einem aus. Ganz wichtig ist: nicht stehen bleiben. Die Motorradfahrer sehen jemanden laufen, überlegen kurz, wo die Person ist, wenn sie auf gleicher Höhe sind und weichen entweder nach rechts oder links aus. Damit das funktioniert, muss man in etwa die gleiche Geschwindigkeit beibehalten.

Es gibt keine Regeln auf Vietnams Straßen. Ampeln sind sehr selten und dienen auch nur als grobe Richtlinie. Leute fahren auf der falschen Seite, auf Bürgersteigen und man würde annehmen, dass es täglich hunderte von kleinen Unfällen gibt, wo Leute von Mopeds überfahren werden. Ein paar Tage später hat uns dann unser Touristenführer erklärt, dass an Kreuzungen und in dichtem Verkehr jeder nur zwei bis drei Kmh fährt und es dadurch fast unmöglich ist, einen Unfall zu bauen. Und nach ein paar Tagen ist dann auch uns klar geworden, dass es eigentlich ziemlich sicher ist, auch wenn alles total chaotisch ist. Dadurch, dass jeder Verkehrsteilnehmer permanent aufpasst und "mit dem Schlimmsten" rechnet, passiert deutlich weniger. In ganzen 5 Tagen habe ich nur einen einzigen Auffahrunfall auf der Autobahn gesehen.

Der Rezeptionist im Hotel hat uns freundlicherweise auf einer Stadtkarte die Bereiche eingezeichnet, welche uns interessierten: das Hotel, der Markt und die Bar-Bezirke. Irgendwann am Nachmittag sind wir dann an einem der größeren Märkte angekommen, welche das pure Chaos und eine Falle für den Unerfahrenen sind. Nach etwa einer Stunde zu Fuß in der Hitze, habe ich gehofft, dass der Markt klimatisiert ist. Stattdessen erwartete uns eine stickige Halle, wo sich der Gestank von Fisch, Geflügel, Toiletten und allen möglichen anderen Zeug zu einem fast übelerregenden Gemisch zusammenfand. Hunderte von Leuten auf engen Gängen, auf jeder Seite kleine Stände, vollgepackt mit Souvenirs und allen möglichen anderen Scheiß von der Unterlegscheibe bis zum Elefanten.

Nun ist es ziemlich einfach für einen Vietnamesen mich als Tourist zu identifizieren und bereits nach wenigen Metern kamen die aus ihren Ständen gekrochen und zerrten mich zu ihren Waren. Ich habe mich dort definitiv sehr unwohl gefühlt - die lästigen Händler kombiniert mit Hitze und Gestank waren das Messer an meinem Geduldsfaden.

Ich suchte primär nach ein paar Vietnam T-Shirts und dem einen oder anderen cleveren Souvenier für Freunde und mich selbst. Jeder Stand hatte ungefähr die gleiche Auswahl an T-Shirts - sah so aus, als ob alle Händler vom gleichen Großhändler beliefert werden. Die Idee ist also, dass man von Händler zu Händler geht, bis man einen gefunden hat, der verzweifelt genug ist, um mir den gewünschten Preis abzunehmen. So die Theorie...

In der Praxis hatte ich keine Ahnung, welche Preise akzeptabel sind. Kaum ein Stand hatte Preisschilder und die Stände, die Preisschilder hatten, verlangten horrende Preise. Also geht man zum ersten Stand hin und fragt wie viel ein T-Shirt kostet. Dann sagen die einem 180.000 Dong, worauf man kurz überlegt und 100.000 Dong anbietet. Nach ein wenig hin und her, ist dem Händler sein letztes Angebot ungefähr 125.000 und man denkt man hat ein Schnäppchen gemacht. Außerdem sind die Händler clever und versuchen einem ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn man den Preis nicht annimmt. Es sollte egal sein, aber im Urlaubsmodus willigt man dann halt einfach ein. Erst VIEL später - nach ein paar weiteren T-Shirts, die ich für etwa 90.000 Dong - 120.000 Dong ersteigert habe - habe ich irgendwo gelesen, dass man nicht mehr als 50.000 - 60.000 bezahlen sollte.

Am Abend sind wir dann noch mal durch die Stadt gezogen auf der Suche nach ein paar Bars. Wie in Deutschland, ist es in Vietnam erlaubt auf der Straße Bier und Schnaps zu trinken und jeder Laden verkauft Sprit. Für Jemanden der in Australien lebt oder wie meinen Kumpel noch nie Australien verlassen hat, ist das etwas Besonderes und wir haben die Freiheit ausgiebig genossen. In Saigon ist immer was los. Selbst in den frühen Morgenstunden sind noch viele Leute unterwegs. Meine Vermutung ist, dass auf Grund der Hitze das ganze Jahr über die Nacht die Zeit ist, wo es erträglich ist und somit manche Vietnamesen lieber nachtaktiv sind.

An diesem Abend streiften wir ziellos durch die Innenstadt. Auf einer der Hauptstraßen für Touristen war viel los, größtenteils Gruppen von kleinen asiatischen Studenten, die permanent gestellte Gruppenfotos machen. Besonders mein Kumpel, der fast zwei Meter groß ist, wurde fast ein wenig begafft. Große Menschen sind definitiv eine Seltenheit in Vietnam. Ein kleiner Junge rief nur "BOOAAH" als er neben meinem Kumpel stand und zu ihm aufschaute. Eine kleine Chinesin war total erschrocken, als sie nach einem gestellten Foto hinter sich schaute und ich hinter ihr im Foto stand - 2 Köpfe größer. Wir hatten unseren Spaß und viel zu lachen.

Irgendwann haben wir uns dann auf die Suche nach einer Bar gemacht. Mein Kumpel wollte unbedingt in eine der sogenannten "Hostess Bars", welche in etwa das vietnamesische Äquivalent zu Stripclubs sind. Prostitution und Pornografie sind in Vietnam illegal und somit auch Stripclubs und Bordelle. Eine Hostess Bar ist die Lösung, die legal so nah wie möglich ran kommt männliche Bedürfnisse zu befriedigen.

An einer Ecke sahen wir 2 hübsche, aufreizend angezogene Vietnamesinnen in einer Bar direkt am Eingang sitzen und wir blieben für einen Moment stehen, um sie zu begutachten. Zu unserer Überraschung kamen die Mädels direkt raus zu uns und fragten uns, ob wir rein kommen wollen. Wir hatten also eine dieser Hostess Bars gefunden, wo sexy Mädels für ein paar spendierte Drinks Männern Gesellschaft leisten. Ganz wichtig: die Drinks, die man den Mädels ausgibt, werden üblicherweise mit dem drei- bis vierfachen Preis angeschrieben, wobei einem das natürlich nicht gesagt wird. Die Bar macht profit und die Mädels bekommen eine Kommission. Nach dem Flug und der Hitze am ersten Tag waren wir ziemlich kaputt und blieben nicht all zu lange.

Am nächsten Tag haben wir erstmal einen ruhigen gemacht - wir waren ja schließlich im Urlaub. Wir besuchten den Markt noch mal, wo ich noch mehr überteuerte T-Shirts gekauft habe und erkundigten uns, welche Tagestouren wir machen könnten. Prinzipiell gab es zwei Sachen, die man sich um Saigon anschauen kann: die Chu-Chi Tunnel und das Mekong-Delta.

Am frühen Nachmittag sind wir dann in einen Bezirk gefahren, wo wir bisher noch nicht unterwegs waren und fanden einen Massage-Salon. Wir konnten schlecht einen Asienurlaub ohne Massage machen. Wir haben etwa 20 Euro für die Massage bezahlt, was für über eine Stunde akzeptabel war - insbesondere, da dieser Massage-Salon ein - natürlich inoffizielles und illegales - "Happy-Ending" im Angebot hatte. Und somit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen und konnte gleich zwei Einträge auf der Liste der "Dinge die man machen muss, bevor man stirbt" abstreichen.

Am Abend sind wir dann wieder durch die Straßen gezogen. Irgendwann hat es dann auch angefangen zu regnen, wobei das gar nicht so schlimm ist. Durch die Hitze war der Regen sogar angenehm und hat nicht gestört. Nach ein wenig durch die Straßen ziehen, sind wir dann in eine Bar namens "Cloud9" gestolpert - wie am Abend zuvor eine Hostess Bar. Erholt von einem ruhigen Tag und einer Massage begannen wir uns zu betrinken und spendierten auch den Damen ein paar Drinks. Es war eine angenehme Atmosphere. Ich konnte in der Bar rauchen, es war kaum jemand anderes in der Bar und zwei bis drei Mädels schwirrten permanent um uns herum und machten leichte Konversation. Nach ein paar Stunden waren wir dann betrunken und sind gegangen. Der ganze Spaß hat uns etwa 100 Euro gekostet, immer noch weniger als wir zu zweit in Melbourne bezahlen würden, um uns abzuschießen.

Generell kann man in den Shops für ein bis zwei Euro Dosenbier und Mixgetränke kaufen und somit kann man sich mit zwanzig Euro ordentlich betrinken. Barpreise variieren: Hostess-Bars haben definitiv deftige Preise - etwa doppelt so viel wie in regulären Bars und ich habe für einen Jack+Coke etwa 5 Euro bezahlt... und 15 Euro für die Lady-Drinks.

Saturday, 12. December 2015 / Peter

Die Tage wird es in Melbourne wieder ungemütlich. Es ist kalt, ein eisiger Wind fegt durch die Stadt und es regnet alle zwei Tage mal ordentlich. Man kann die Tage einen deutlichen Unterschied zum sonst so lebhaften Alltag in Melbourne spüren. Die Einwohner Melbournes gehen weniger vor die Tür, in den Einkaufsstraßen ist weniger los, die Parks sind nicht mehr voller Leben, niemand will bei dem Sauwetter raus. Insgesamt ist im Winter deutlich weniger los in Melbourne. Kaum noch große Events oder Feierlichkeiten, manchmal wirkt die Stadt wie ausgestorben.

Doch das ist für mich kein wirkliches Problem. Zum Einen bin ich die meiste Zeit eh im Büro und zum Anderen habe ich einen netten Zeitvertreib für langweilige Abende gefunden, wo man eben nicht zum Barbeque eingeladen ist oder irgendwo in einer Rooftop-Bar den lauen Abend genießt.

Vor ein paar Wochen hat mich ein Kumpel gefragt, ob ich Poker spiele. Jahrelang habe ich jede Woche in meiner ollen Studentenbude eine nette Pokerrunde veranstaltet, doch die letzten zwei bis drei Jahre musste ich fast ohne Poker auskommen. Zunächst war ich häufig in Australien und zum anderen haben wir mit der alten Pokerrunde irgendwie nie wieder etwas gefunden wie meine schmutzige Küche in der alten Studenten-WG, wo sich trotzdem jeder irgendwie wohlgefühlt hat.

Ich habe mich dann von meinem Kumpel hier mal einladen lassen. Er hat selbst erst eine Woche vorher angefangen in der 888 Poker League zu spielen. Das Wort Liga ist hier etwas irreführend. Es ist nicht so, dass ich gezwungen bin regelmäßig zu spielen. Ich kann ein Mal im Monat an einem Turnier teilnehmen oder jeden Abend. Prinzipiell funktioniert das so: über die gesamte Stadt verstreut gibt es mehrere Pubs, Bars und Spielhallen, die regelmäßíg Pokerturniere für die 888 Poker League austragen. Auf deren Webseite gibt es eine Eventkarte, wo man sich jeden Abend raussuchen kann, wo man spielen möchte. Die Turniere gehen meist um 19:30 Uhr los und spätestens gegen 22 oder 23 Uhr ist man fertig (kommt natürlich drauf an, wie früh man ausscheidet). Jedes Turnier kostet $11 und in der Regel nehmen um die 15 - 25 Leute dran teil. Wenn nur noch 9 Spieler übrig sind, wird der "Final Table" gespielt, wo es dann ums Bare geht. Die Liga hat ein Punktesystem und am Ende des Monats werden immer die besten Spieler zu einem Turnier eingeladen, wo es dann um richtig viel Asche geht.

Beim monatlichen Invite-Turnier hat man die Möglichkeit bis zu $10.000 zu gewinnen. Ich habe bisher zwei kleine Turniere gewonnen und immerhin $130 und $150 Siegprämie erhalten. Das finanziert zukünftige Abende (auch wenn wir meistens das Preisgeld direkt im nächsten Pub wieder versoffen haben).

Dem regelmäßigen Besucher meines Blogs mag die Poker-Statistik im rechten Bereich der Seite aufgefallen sein, wo ich von nun an meine Statistik führe. Dem aufmerksamen Beobachter mag aufgefallen sein, dass die Statistik aktuell vier Siege auflistet. Das liegt daran, dass wir auch ein paar private Turniere gespielt haben, wo ich relativ erfolgreich war.

Derzeit gehe ich etwa ein bis zwei Mal pro Woche spielen. Was mich besonders freut ist, dass man nur wenige zu seriöse Spieler an den Tischen hat. Die meisten Leute sind so drauf wie ich und gehen primär spielen, um Spaß zu haben. Es gibt ein paar richtig gute Spieler, aber keiner nimmt es zu ernst und auch wenn man sich mal einen Faux-Pas erlaubt (zum Beispiel sich beim Karten geben vertun) wird man nicht gleich vor die Tür gesetzt.

Tuesday, 17. June 2014 / Peter

Vor einem Monat war es mal wieder soweit. Die Saisoneröffnung für die Formel 1 stand wieder mal vor meiner Haustür und ich war echt am überlegen dieses Jahr nicht hinzugehen, insbesondere weil Regen angesagt war. Am Ende hat dann aber meine Lust gesiegt und ich habe mir am Samstagabend mein Ticket für Sonntag gekauft und mich auf jede Menge PS, dröhnende Motoren und das ganze Drumherum gefreut.

Am Samstagabend habe ich mir die Qualifikation im Fernsehen angeschaut und gesehen, wie Räikkönen geschickt Vettel seine Qualifikation vermiest hat. Das war natürlich ein Riesenpech für den Weltmeister, aber so wirklich gejuckt hat mich das dann doch nicht. Wenn man den Blogtitel liest und weiß, dass es um Formel 1 geht, könnte man vermuten, dass ich mit Vettels Pech sympathisiere, aber das ist nicht der Fall. Ich werde später darauf zurück kommen.

Fangen wir also an. Ich bin zum Albert Park gelaufen, weil die Straßenbahnen alle überfüllt waren und kam dann etwa gegen Mittag an. Das V8-Rennen - der Höhepunkt für mich am Sonntag - war wieder mal geil gewesen.

Interessanterweise hat diesmal ein blauer Volvo gewonnen, wo doch normalerweise nur Holdens (das australische Äquivalent zum Opel) und Fords um den Sieg fahren. Dann gab es auch wieder den Porsche Carrera Cup, der die letzten Jahre sehr langweilig war, weil die "Rennwagen", wenn man sie überhaupt so nennen kann, eher wie Straßenwagen aussahen und auch nicht wirklich schneller waren. Dieses Jahr gab es einen frischen Satz Autos mit deutlich mehr PS und den ganzen Racing-Schnickschnack. Wir haben uns das ganze Rennen angeschaut und waren nicht zu sehr gelangweilt, auch wenn die Rennaktion natürlich nicht an das V8-Rennen herankommt.

Über den Nachmittag hinweg gab es wieder die gewohnte Unterhaltung auf dem Renngelände. Boxenluder, Oldtimer und Rennwagen überall. Männertag 3.0. Leider wurde ich aber dennoch ein wenig enttäuscht, denn ich habe keine Ausstellung eines McLaren P1 oder Porsche 918 finden können. Die zwei Autos hätten mich besonders interessiert, weil die zwei offenbar die nächste Generation sind, aber da muss man dann wohl doch zu einer Automesse gehen..

Es war trotzdem ein schöner Nachmittag mit akzeptablen Wetter. Etwa eine Stunde vor dem eigentlichen Formel 1 Rennen machten wir uns dann auf den Weg zu der Stelle, die ich für dieses Jahr rausgesucht hatte. Wir mussten durch den halben Albert Park rennen und kamen dann auch über eine größere Wiese mit Fressbuden und Fanartikel-Shops. Als ich dann gerade nach rechts geguckt habe, riefen meine Kumpels plötzlich "WOOOH". Ich dreh mich nach links und bekomme voll einen Sonnenschirm ab, der sich aus seiner Verankerung gelöst hat. Es war ziemlich windig und der Schirm hatte genug Wucht, um mir mein Bier aus der Hand zu hauen. Blöder Schirm. Ich wurde von ein paar Leuten gefragt, ob ich in Ordnung bin und mal abgesehen von einem leichten Ziehen im Oberarm war ich das auch.

Wir sind dann also erstmal weitergegangen und so langsam aber sicher kam das Gefühl zurück in meinen Arm - und damit auch der Schmerz. Es war nicht wirklich schlimm, aber ich dachte mir, dass der Muskel mindestens geprellt ist. Dann habe ich beim dranfassen festgestellt, dass es sich kühl anfühlt, wenn ich die Stelle berühre. Also habe ich mal die Jacke und den Pullover ausgezogen und nachgeschaut. Was ich zu sehen bekam, war nicht wirklich hübsch. Eine recht tiefe etwa zwei Millimeter große Wunde aus der es raussuppte. Die logische Konsequenz war erstmal in Panik zu geraten und zum nächsten Sanitäterzelt gehen. Dort haben sich zwei Sanitäter mit angewiederten Blicken die Wunde angesehen und ein Pflaster draufgeklebt, so dass ich nicht alles vollkleckere. Leider habe ich dadurch den Kampfjet verpasst, der vor dem Rennen übers Gelände fliegt und einen Höllenlärm macht. Blöder Schirm. Als der Jetüberflug vorbei war, waren wir dann fertig und wir sind weiter zu unserem Aussichtspunkt gelaufen.

Das Rennen war diesmal sehr interessant. Unser Platz an der Rennstrecke stellte sich als ziemlich gut heraus, da wir direkt an einer scharfen Kurve nach einer Geraden standen, aber trotzdem auch noch die nächsten drei schnellen Kurven sehen konnten. Wir sind auch diesmal das ganze Rennen über an der selben Stelle geblieben, wo wir doch sonst irgendwann versucht hatten ein besseres Plätzchen zu finden.

Die letzten zwei Jahre kam man ohne Ohrstöpsel überhaupt nicht klar, weil die Formel 1 Wagen einfach viel zu laut sind. Wenn die bis auf 20.000 Umdrehungen hochdrehen, dann platzen einem die Ohren. Dieses Jahr waren die Kisten so leise! Endweder ich werde langsam taub oder das hängt mit den geänderten Regeln zusammen, demzufolge die Autos seit diesem Jahr nur noch einen breiten Auspuff haben. Ein Kollege der direkt am Albert Park wohnt meinte auch, dass es das erste Jahr war, wo er das Fenster aufmachen musste, um das Rennen zu hören, wo er in den vergangenen Jahren nicht mal ein Telefongespräch bei geschlossenem Fenster führen konnte wegen des Lärms. Mir hat das sehr gut gefallen. Die tiefere Note klingt einfach deutlich besser als die schreienden Motoren der Vergangenheit. Außerdem konnten wir so diesmal sogar den Kommentator verstehen und somit etwas mehr vom Rennen mitbekommen. Danke.

Wir haben uns dann ein paar Bier reingekippt und zugeschaut, wie Nico Rosberg einen grandiosen Sieg einfährt. Nach dem Rennen sind wir dann direkt raus raus gegangen. Zunächst waren wir eh viel zu weit von der Boxengasse entfernt, um rechtzeitig zur Siegerehrung dort zu sein. Außerdem haben wir letztes Jahr sehr schlechte Erfahrungen gesammelt, als wir etwa eine Stunde gebraucht haben, um aus dem Renngelände rauszukommen. Trotz dass wir so früh los gegangen sind, waren die Straßenbahnen bereits gerammelte voll und so sind wir dann in die Stadt gelaufen. Ich bin dann noch ein Stückchen weiter ins Krankenhaus, weil mir der Sanitäter empfohlen hat zumindest eine Tetanusimpfung machen zu lassen.

Saturday, 19. April 2014 / Peter

Hätte ich nur mal nicht's gesagt! Nachdem ich mich letzte Woche so schön über Qatar Airline beschwert habe, bin ich ja dieses Wochenende - wieder mit Qatar Airline - zurück nach Melbourne geflogen. Ich bin zwar nicht abergläubig, aber trotzdem war der Trip zurück ein wenig komisch. Im Gegensatz zum Hinflug war dieses Mal der Flughafen in Doha das Kleinste aller Übel.

Es fängt bereits in Frankfurt am Flughafen an, als der Flug plötzlich von einem ganz anderen Gate geht. Nun ist das keine Katastrophe. Man rennt halt einfach erstmal ein wenig hin und her, bevor es überhaupt los geht. Der Flug nach Doha war ganz geschmeidig. Ein Fensterplatz mit einem freien Sitz neben mir sorgt immer für Freude.

Auch in Doha lief alles nach Plan. Im finalen Flieger nach Melbourne hatte ich ebenfalls einen Sitz neben mir frei, was ungemein viel wert ist. Wenn man sich 14 Stunden lang an einen Unbekannten reibt, ist das nicht sonderlich schön. Ich war also relativ zufrieden, wenn man mal von den zwei Kindern hinter mir absieht, die permanent gegen meinen Sitz getreten haben und übelst erkältet waren und mir permanent in den Nacken gehustet haben - was meiner eigenen Erkältung einen neuen Aufschwung gegeben hat. Doch dann schlug das Karma zu - und zwar richtig!

Ich wache irgendwann aus meinem Halbschlaf auf und will im Bordcomputer nachschauen, wo wir denn in etwa sind. Völlig verblüfft musste ich feststellen, dass wir nicht mehr wie geplant auf dem Weg nach Melbourne waren, sondern uns auf dem Weg nach Perth befanden.

Bereits über Australien, etwa auf Höhe der Gibson Desert an der Grenze zwischen Western Australia und Northern Territory, gab es einen medizinischen Notfall an Bord. Ein kleines Mädchen ist kollabiert und musste mit einer Sauerstoffflasche versorgt werden und der Pilot hat sich den nächsten größeren Flughafen gesucht, wo das Kind verarztet werden kann. Wir waren gerade mal drei-einhalb Stunden von Melbourne entfernt und da dreht der Flieger in die andere Richtung ab. Bis Perth waren es auch immerhin noch zwei Stunden Flug, aber 90 Minuten können zwischen Leben und Tod nun mal entscheiden.

Informationen über den weiteren Verlauf der Reise wurden leider nicht durchgegeben und so freundete ich mich mit der Ungewissheit an, möglicherweise eine Nacht in Perth zu verbringen und akzeptierte mein Schicksal.

Angekommen in Perth bat man uns im Flugzeug sitzen zu bleiben und Hoffnung keimte auf. Zu diesem Zeitpunkt war es schon fast halb zehn Abends in Melbourne. Es hat dann etwa eine Stunde gedauert, bis das Mädel aus dem Flugzeug geschafft und das Flugzeug nachgetankt wurde. Im Sonnenuntergang von Perth ging es dann weiter nach Melbourne, was noch mal etwa drei Stunden dauerte.

In Melbourne waren wir das einzige Flugzeug was so spät noch ankam, weshalb Einwanderung und Zoll rasend schnell ging, jedoch wurde die Tabaksteuer für die Einfuhr erneut erhöht... eine Frechheit! Ein Taxi um die Uhrzeit zu finden war ebenfalls kein Problem, da niemand Anderes eins suchte.

Während der Taxifahrt schämt man sich dann ein wenig, weil man wie ein Pumakäfig stinkt und freut sich im gleichen Zug auf eine warme Dusche zu Hause. Mir war klar, dass ich noch mal wenigstens eine halbe Stunde oder so warten muss, da ich vor dem Abflug den Boiler komplett abgestellt habe - bringt ja nichts zwei Wochen lang Wasser für die Katz zu erhitzen. Zu Hause angekommen werden die Sicherungen reingedrückt, das Licht geht an, der Boiler gurgelt. Alles fein bis zu dem Zeitpunkt, wo es einen Schlag hält und die Sicherung vom Boiler wieder raus kommt. Kann ja mal passieren - Sicherung wieder rein und PUFF, kommt sie jedes Mal direkt wieder raus...

Also musste ich widerlich stinkend ins Bett gehen und am nächsten Tag im Büro duschen. Am nächsten Morgen schämt man sich in der überfüllten Straßenbahn erneut, dass man stinkt als ob man sich nie wäscht. Im Büro angekommen musste ich dann zu allem Überfluss feststellen, dass ich mein Handtuch zu Hause vergessen habe.

Mittlerweile geht der Boiler wieder (nachdem ein paar Teile ausgetauscht wurden und ich die gesamten 100 Liter Wasser abgelassen habe, weil es braun wie Scheiße war) und ich stinke auch nicht mehr ganz so sehr, aber das war das Sahnehäubchen auf der Bananentorte für mich.. ach und für die, die es nicht wissen: Mir wird schlecht von Bananen - ich kann sie nicht mal riechen.

Wednesday, 26. February 2014 / Peter

Ich war jetzt zwei Wochen auf Urlaub in Deutschland und ich habe die Zeit hier sehr genossen. Wenn man nur alle paar Monate mal in die Heimat zurück kommt, ist es wichtig, dass man sich willkommen fühlt. Das ist meiner Familie und meinen Freunden echt gelungen.

Überall wo ich hinkam, wurde ich mit Freude empfangen und mir wurde die Zeit hier versüßt. Angefangen hat alles mit meiner Familie, die sich natürlich sehr gefreut hat, dass ich mich mal wieder blicken lassen habe. Die Freude beruht auch auf Gegenseitigkeit und ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Eltern auch ein paar Angelegenheiten meines Aufenthaltes organisiert haben und jederzeit ein warmes Mahl und warmes Bett zur Verfügung stand, auch wenn ich die meiste Zeit über dann doch in Jena unterwegs war.

Ich habe meine temporäre Rückkehr nach Jena ebenfalls sehr genossen. Während ich im Herbst letzten Jahres einige Bekanntschaften und Freunde nicht treffen konnte, weil ich mit Wohnungsaufgabe und so weiter sehr beschäftigt war, gab es diesmal genug Gelegenheiten viele Leute zu treffen. Danke an alle, die Zeit finden konnten und für die, die es nicht konnten... ich komm ja auch bald mal wieder und dann gibt es kein Entkommen.

Und natürlich Danke an alle, die ich vergessen habe. So und nun genug Sentimentalitäten. Ab ins Flugzeug und zurück in wärmere Gefilde. Deutschland hätte ruhig mal die Heizung ein Stückchen mehr anmachen können.. Hrrrr du geile Heizung.

Sunday, 23. February 2014 / Peter