Ein anderes Sydney

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Wie im letzten Blog angesprochen war es eine tolle Woche. Wie aufmerksamen Lesern aber sicherlich bereits aufgefallen ist, betrachtet der letzte Beitrag lediglich ein Wochenende. Für den Rest der Woche fiel die Wahl auf Sydney. Ja, dort war ich auch schon mal! Wir sind unter der Woche hingeflogen, da die Flüge nur etwa halb so viel kosten - am Wochenende pendeln Unmengen an Menschen zwischen Sydney und Melbourne, was dafür sorgt, dass die Preise in die Höhe schießen.

Mit etwas Pech wurde unser Flug Dienstag Mittag abgesagt und wir mussten auf einen Flug am Abend ausweichen, was uns den ersten Tag deutlich verkürzte. Nachdem wir vom Flughafen mit dem Zug in die Stadt gefahren sind (mit dem falschen, aber billigeren Ticket) und im Hotel eingecheckt hatten, wollten wir noch etwas essen und schauen, was die Innenstadt an Nachtleben anzubieten hat. Unser Hotel war diesmal in Haymarket, was direkt südlich vom CBD (Innenstadt) liegt und nur einen Katzensprung vom Circular Quai, dem Opera House und der Harbour Bridge entfernt ist.

Auf dem Weg zum Hafen suchten wir nach einer versteckten Bar - der Bulletin Bar - welche uns in einer Kneipe in Melbourne von einer jungen Dame aus Sydney empfohlen wurde. Die Adresse haben wir dann auch gefunden, aber von der Bar war weit und breit nichts zu sehen. Erst dann bemerkten wir, dass man in einen unscheinbaren Hauseingang eintreten und dann die Treppe hoch musste, um eine unscheinbare Tür zu öffnen, die in die Bar führte. Hätte man die falsche Tür erwischt, stände man wahrscheinlich in jemandens Wohnung. Die Bar stellte sich auch als Volltreffer heraus.

Anschließend schauten wir uns noch das Opera House bei Nacht an in einer total toten Stadt. Sicherlich war es bereits Mitternacht und andere Leute mussten am nächsten Morgen wieder zur Arbeit, aber von einer Metropole wie Sydney hätte man doch in der Innenstadt mehr Leben erwartet. Wir waren vollkommen allein am Opera House und auch auf dem Rückweg waren die Straßen leergefegt wie in einer Zombie-Apokalypse.

Der zweite Tag begann reichlich spät. So spät, dass die arme Putzfrau schon 10 Minuten warten musste, um das letzte Zimmer (Unseres) sauber zu machen. Das Tagesziel war der Hafen mit den ganzen typischen Sehenswürdigkeiten. Das Wetter war wechselhaft und so war der ganze Hafen erneut - geradezu gespenstig - leer.

Auf dem Weg zum Hafen ist uns aufgefallen, dass in der Innenstadt an jeder Bar, jedem Restaurant und jedem Hotel ein VIP-Lounge Schild hängt. Ich weiß nicht, was das bringen soll, aber mit VIP hat das nichts mehr zu tun, wenn jede Lokalität eine solche Lounge hat.

Am Abend kam dann die große Entscheidung: Kings Cross, wo wir letztes Jahr die Nächte verbracht haben oder Newtown, was uns in einer Bar in Melbourne ans Herz gelegen wurde. Da ich Kings Cross schon gesehen hatte und keinen Bock auf Nutten, Hustler und Leuten auf Koks hatte, fiel die Wahl auf Newtown, was laut Aussage der Empfehlung aus Melbourne ein Studentenviertel mit viel Kultur ist.

Wir haben nicht lange gebraucht, um die Hauptstraße zu finden, wo all die Bars gelegen sind. Neben dem Coopers-Hotel, wo an dem Abend Live-Musik gespielt wurde, sind wir ebenfalls auf einen Irish Pub gestoßen, der aber etwas anders war als all die anderen Irish Pubs, die ich so kenne. Im Erdgeschoss war es ein gewohnt rustikales Ambiente, doch im Obergeschoss gab es bequeme Couches, Billard-Tische, Consolenspiele, eine Raucherterrasse und jede Menge interessante Menschen.

So machten wir an diesem Abend Bekanntschaft mit einem schwulen Model, zwei Studentinnen, die uns so einiges über den Studienalltag in Australien berichteten und einem gelernten Elektroniker, der mal beim australischen X-Factor war und uns "Breakfast at Tiffany's" gesungen hat (X-Factor ist das internationale Äquivalent zu "Deutschland sucht den Superstar") . Was für ein toller Abend! Newtown war eindeutig die korrekte Wahl und der Typ aus der Bar in Melbourne hatte nicht gelogen.

Am dritten Tag kam dann auch endlich die Sonne raus und es wurde richtig warm. Bei 20° konnte man fast vergessen, dass es Winter war. So machten wir uns dann auf den Weg zum Botanischen Garten, um in der Sonne ein Nickerchen zu machen und den Kater auszukurieren. Trotzdem waren wir eine ganze Weile unterwegs und die Füße wurden müde. Doch der Botanische Garten ist die Anstrengung wert. Ich habe normalerweise nicht viel für Grünzeug übrig, aber selbst ich bin immer wieder beeindruckt von den Details und der tollen Pflege, die in diesem einzigartigen Park steckt.

Gegen Abend ging dann unser Flieger zurück nach Melbourne. Unglücklicherweise führte uns der Rückflug nicht zum Hauptflughafen von Melbourne, sondern zu einem weit Entfernten: Avalon. Gegen Mitternacht kam dann endlich der Bus und wir kamen erst sehr spät wieder in Melbourne an.

Insgesamt habe ich dieses Mal andere Eindrücke von Sydney gewonnen: die gähnende Leere in der Nacht, das verrückte Newtown und Unmengen an VIP Lounges.

Thursday, 25. July 2013 / Peter