Große Steine und kleine Steine

Als ich das erste Mal aus Australien zurück nach Deutschland gekommen bin, haben mich Viele gefragt, ob ich auch mal am Ayers Rock war. Neben dem Opera House in Sydney ist der Monolith im Outback wohl eines der Wahrzeichen - wenn nicht sogar das Wahrzeichen - Australiens. Meine Antwort damals war: "Nö, wieso?".

Der Hauptgrund für mich den Ayers Rock nicht zu besuchen ist die Entfernung zu Melbourne. Rein geografisch liegen Melbourne und Alice Springs (die einzige "größere" Siedlung mit 25.000 Einwohnern in der Nähe des Ayers Rock) etwa 1900 Kilometer auseinander. Das ist weiter als von Berlin nach Moskau! Entsprechend lange fliegt man (fahren kommt eigentlich gar nicht in Frage - 2250 Kilometer bedeutet knapp 24 Stunden reine Fahrzeit!) und entsprechend teuer sind die Flüge.

Vergangenes Wochenende habe ich mich dann mit ein paar Kollegen dann doch mal durchgerungen herauszufinden, warum jeder Ayers Rock sehen soll. Am Samstagmorgen (und ich meine wirklich am Morgen!) sind wir also ins Flugzeug nach Alice Springs gestiegen und von dort zum Ayers Rock gefahren. Am Sonntag haben wir uns dann den Kings Canyon ("ganz in der Nähe") angeschaut und am Montag den Ayers Rock und die Kata Tjuta, bevor wir am Dienstag zurück nach Melbourne geflogen sind.

Direkt nach der Ankunft kam die erste angenehme Überraschung. Nach winterlichen 10° in Melbourne fühlten sich die 30° in Alice Spring erstaunlich gut an. Also haben wir uns auf dem Flughafenparkplatz erstmal nackig gemacht und sind auf kurze Hose und Badeschlappen umgestiegen.

Der nächste Stopp war ein Supermarkt. Dort haben wir erstmal an die 40 Liter Wasser gekauft (für vier Personen und drei Tage). Da wurde mir das erste Mal bewusst, dass wir in einer komplett anderen Welt waren. Es fühlte sich nahezu abenteuerlich an. Dann fuhren wir von Alice Springs Richtung Süden, vorbei an schicken Felsformationen, die aber auch schnell aufhörten. Was folgte war ein 6-stündiger Roadtrip, wobei die Straße nur geradeaus ging und rechts und links der Straße nichts als flaches Outback zu sehen war. Die erste Begeisterung für diese eigenartige Umgebung schlug schnell in Langeweile um. So wie auf dem Bild sieht es in der Tat ÜBERALL aus. Alles flach, kaum Bäume, keine Zivilisation, endlose Leere - fast wie der Weltraum.

Vielleicht sind die Attraktionen in der Gegend eben genau deshalb so interessant, weil es sonst nichts zu sehen gibt. Alle 200 - 300 Kilometer gibt es eine Behausung; meist mit einer Tankstelle, wo man für nahezu den doppelten Preis wie in der Zivilisation Sprit kaufen kann. Voll die Abzocke! Die Australier sollen sich mal nicht so haben... Als ob die entlose Leere ein Grund ist Benzin so teuer zu machen.

Wie der Eine oder Andere vielleicht erwarten würde, gibt es in der Gegend kaum Niederschlag. Östlich von Alice Springs gibt es sogar eine richtige Wüste. Und nachdem wir zwei Tage keine einzige Wolke gesehen haben, habe ich sogar eine Wette ausgesprochen. Der Erste, der eine Wolke sieht, bekommt von mir $10! Ich war mir ziemlich sicher, dass mein Geld sicher in meiner Tasche bleibt.

Wie man am Bild links sieht, blieb mir mein Triumph jedoch vergönnt. Ausgerechnet am letzten Tag an der letzten Attraktion gab es einen Aufschrei: Eine Wolke!! Es war eine Sensation ... für ein paar Sekunden, denn nach wenigen Sekunden hatte sich die Wolke auch wieder aufgelöst.

Die größte Begeisterung für's Outback gewann ich bei Nacht. Nun mag man fragen, wieso? Denn mit keinerlei Zivilisation ist es in der Nacht im Outback ziemlich dunkel. Nicht jedoch, wenn man nach oben blickt. Der Sternenhimmel (bei - ich nehme mal an - wolkenfreien Himmel) war atemberaubend. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen und wird man in der Zivilisation (mit Lichtsmog überall) wohl auch nicht sehen. Vor unseren Augen war die gesamte Milchstraße ausgebreitet. Zunächst dachte ich, dass es bewölkt war, bis ich verstand, dass was wie Wolken aussah einfach nur unglaublich viele kleine (oder weit entfernte) Sterne waren. In diesem Moment denkt man daran, wie unsere Vor-Vor-Vor-Vor-Vorfahren in den Himmel blickten und dieses Spektakel nahezu jede Nacht genießen konnten und man beneidet sie.

Ich werde in diesem Beitrag nicht auf die Details dieses Abenteuers eingehen, sondern im Verlauf der kommenden Tage (oder Wochen) die Tage einzeln Revue passieren lassen, da die Eindrücke, die ich gewonnen habe nicht in einem Beitrag zu fassen sind.

Monday, 2. September 2013 / Peter