Guten Morgen Vietnam

Nach meinem Deutschlandurlaub im August, habe ich mich kurzfristig entschlossen einen Kurztrip nach Vietnam zu machen. Zusammen mit einem Kumpel bin ich also nach Ho Chi Minh City (Saigon) geflogen - das erste Mal in Asien. Ich hatte schon Zwischenstops in Singapur, aber aus dem Flughafen bin ich nie raus gekommen. Was mir von Singapur in Erinnerung geblieben ist, war die schwüle Hitze - selbst mitten in der Nacht - in den Raucherbereichen, welche in Singapur außerhalb des Gebäudes sind. Meine Erwartungen für Vietnam waren ähnlich.

Als wir dann aus dem klimatisierten Flughafen raus und gegen die Hitzewand gelaufen sind, war ich nicht sonderlich geschockt, aber doch ein wenig beunruhigt. Diese Hitze die ganze Zeit ist schon ein wenig belastend.

Und damit waren wir dann auch schon mitten im Chaos. Ich dachte, dass es vielleicht einen Shuttlebus in die Stadt gibt, also sind wir an den Taxis vorbei gegangen und als mir dann bewusst wurde, dass es keinen Shuttlebus gibt, kam ein Typ an und fragt uns "Taxi? Taxi?". Bevor wir mehr Zeit verschwenden konnten, sagten wir ja und handelten vorher den Preis aus. Circa 20 Euro um zum Hotel zu kommen? Klingt nicht so verkehrt. Das Auto in das wir stiegen, sah keinesfalls wie ein Taxi aus und wurde mehrfach und nicht besonders gut ausgebessert und repariert. In dem Moment habe ich kurz über die Möglichkeit nachgedacht, dass der Typ uns entführt und irgendwo vor einer Truppe von Kidnappern rauslässt. Aber wir waren mitten in der Stadt und der Typ schien sich gut auszukennen und war auch tatsächlich nur ein ein "privater" Taxifahrer - so ähnlich wie jemand, der Touren bei Uber anbietet - mit dem Unterschied, dass er damit ein Vermögen macht.

Im Hotel angekommen, erzählt uns doch der Typ an der Rezeption, dass eine Fahrt zum Flughafen eher um die zehn Euro kostet. Und damit wurden wir das erste Mal abgezockt. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.

Unser "Hotelzimmer" war ein Executive Apartment mit 4 Schlafzimmern, 3 Bädern, einer Riesenküche und einem gigantischen Wohnzimmer mit Esstisch, Couch, Fernseher und einer guten Stereoanlage. Im Schnitt haben wir um die 45 Euro pro Nacht bezahlt, was für ein 4-Sterne Hotel mit Pool und einem Executive Apartment ziemlich günstig ist. Für den gleichen Preis bekommt man in Melbourne ein Einzelzimmer im Hostel.

Wir kamen am Morgen an und somit hatten wir den halben ersten Tag noch vor uns. Wir nutzten ihn, um Saigons Innenstadt ein wenig zu erkunden. Neben der fast unerträglichen Hitze, war ich total außer mir! Was in Saigons Straßen abgeht, war schlicht und einfach nur krass. Autos sind in Vietnam extrem teuer, da man ungefähr den Kaufpreis noch mal in Importsteuern bezahlt. Die Alternative? Ein Moped oder Motorrad. Ich habe irgendwo gelesen, dass es in Saigon fast doppelt so viele Mopeds und Motorräder gibt, wie Menschen! Und Letztere allein sind um die acht Millionen.

Die Luft ist stickig von den ganzen Zweitakterabgasen, kombiniert mit doch einen recht strengen Geruch. Bürgersteige hören spontan auf und sind meist zugebaut mit parkenden Mopeds und Leuten, die Souvenirs, Futter und Kippen verkaufen. Wenn dann der Bürgersteig plötzlich aufhört, muss man logischerweise auf die andere Straßenseite. Glücklicherweise habe ich Top Gears "Vietnam Special" gesehen, wo Jeremy Clarkson erklärt, wie man in Saigon die Straße überquert. Man schaut gerade aus und läuft einfach über die Straße. Das klingt im ersten Moment tödlich, da hunderte Motorräder permanent an einem vorbei fahren.

Versuch Nummer eins war ein voller Erfolg. Man läuft sehr langsam, ein Fuß vor den Anderen in die Straße und die Motorräder weichen einem aus. Ganz wichtig ist: nicht stehen bleiben. Die Motorradfahrer sehen jemanden laufen, überlegen kurz, wo die Person ist, wenn sie auf gleicher Höhe sind und weichen entweder nach rechts oder links aus. Damit das funktioniert, muss man in etwa die gleiche Geschwindigkeit beibehalten.

Es gibt keine Regeln auf Vietnams Straßen. Ampeln sind sehr selten und dienen auch nur als grobe Richtlinie. Leute fahren auf der falschen Seite, auf Bürgersteigen und man würde annehmen, dass es täglich hunderte von kleinen Unfällen gibt, wo Leute von Mopeds überfahren werden. Ein paar Tage später hat uns dann unser Touristenführer erklärt, dass an Kreuzungen und in dichtem Verkehr jeder nur zwei bis drei Kmh fährt und es dadurch fast unmöglich ist, einen Unfall zu bauen. Und nach ein paar Tagen ist dann auch uns klar geworden, dass es eigentlich ziemlich sicher ist, auch wenn alles total chaotisch ist. Dadurch, dass jeder Verkehrsteilnehmer permanent aufpasst und "mit dem Schlimmsten" rechnet, passiert deutlich weniger. In ganzen 5 Tagen habe ich nur einen einzigen Auffahrunfall auf der Autobahn gesehen.

Der Rezeptionist im Hotel hat uns freundlicherweise auf einer Stadtkarte die Bereiche eingezeichnet, welche uns interessierten: das Hotel, der Markt und die Bar-Bezirke. Irgendwann am Nachmittag sind wir dann an einem der größeren Märkte angekommen, welche das pure Chaos und eine Falle für den Unerfahrenen sind. Nach etwa einer Stunde zu Fuß in der Hitze, habe ich gehofft, dass der Markt klimatisiert ist. Stattdessen erwartete uns eine stickige Halle, wo sich der Gestank von Fisch, Geflügel, Toiletten und allen möglichen anderen Zeug zu einem fast übelerregenden Gemisch zusammenfand. Hunderte von Leuten auf engen Gängen, auf jeder Seite kleine Stände, vollgepackt mit Souvenirs und allen möglichen anderen Scheiß von der Unterlegscheibe bis zum Elefanten.

Nun ist es ziemlich einfach für einen Vietnamesen mich als Tourist zu identifizieren und bereits nach wenigen Metern kamen die aus ihren Ständen gekrochen und zerrten mich zu ihren Waren. Ich habe mich dort definitiv sehr unwohl gefühlt - die lästigen Händler kombiniert mit Hitze und Gestank waren das Messer an meinem Geduldsfaden.

Ich suchte primär nach ein paar Vietnam T-Shirts und dem einen oder anderen cleveren Souvenier für Freunde und mich selbst. Jeder Stand hatte ungefähr die gleiche Auswahl an T-Shirts - sah so aus, als ob alle Händler vom gleichen Großhändler beliefert werden. Die Idee ist also, dass man von Händler zu Händler geht, bis man einen gefunden hat, der verzweifelt genug ist, um mir den gewünschten Preis abzunehmen. So die Theorie...

In der Praxis hatte ich keine Ahnung, welche Preise akzeptabel sind. Kaum ein Stand hatte Preisschilder und die Stände, die Preisschilder hatten, verlangten horrende Preise. Also geht man zum ersten Stand hin und fragt wie viel ein T-Shirt kostet. Dann sagen die einem 180.000 Dong, worauf man kurz überlegt und 100.000 Dong anbietet. Nach ein wenig hin und her, ist dem Händler sein letztes Angebot ungefähr 125.000 und man denkt man hat ein Schnäppchen gemacht. Außerdem sind die Händler clever und versuchen einem ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn man den Preis nicht annimmt. Es sollte egal sein, aber im Urlaubsmodus willigt man dann halt einfach ein. Erst VIEL später - nach ein paar weiteren T-Shirts, die ich für etwa 90.000 Dong - 120.000 Dong ersteigert habe - habe ich irgendwo gelesen, dass man nicht mehr als 50.000 - 60.000 bezahlen sollte.

Am Abend sind wir dann noch mal durch die Stadt gezogen auf der Suche nach ein paar Bars. Wie in Deutschland, ist es in Vietnam erlaubt auf der Straße Bier und Schnaps zu trinken und jeder Laden verkauft Sprit. Für Jemanden der in Australien lebt oder wie meinen Kumpel noch nie Australien verlassen hat, ist das etwas Besonderes und wir haben die Freiheit ausgiebig genossen. In Saigon ist immer was los. Selbst in den frühen Morgenstunden sind noch viele Leute unterwegs. Meine Vermutung ist, dass auf Grund der Hitze das ganze Jahr über die Nacht die Zeit ist, wo es erträglich ist und somit manche Vietnamesen lieber nachtaktiv sind.

An diesem Abend streiften wir ziellos durch die Innenstadt. Auf einer der Hauptstraßen für Touristen war viel los, größtenteils Gruppen von kleinen asiatischen Studenten, die permanent gestellte Gruppenfotos machen. Besonders mein Kumpel, der fast zwei Meter groß ist, wurde fast ein wenig begafft. Große Menschen sind definitiv eine Seltenheit in Vietnam. Ein kleiner Junge rief nur "BOOAAH" als er neben meinem Kumpel stand und zu ihm aufschaute. Eine kleine Chinesin war total erschrocken, als sie nach einem gestellten Foto hinter sich schaute und ich hinter ihr im Foto stand - 2 Köpfe größer. Wir hatten unseren Spaß und viel zu lachen.

Irgendwann haben wir uns dann auf die Suche nach einer Bar gemacht. Mein Kumpel wollte unbedingt in eine der sogenannten "Hostess Bars", welche in etwa das vietnamesische Äquivalent zu Stripclubs sind. Prostitution und Pornografie sind in Vietnam illegal und somit auch Stripclubs und Bordelle. Eine Hostess Bar ist die Lösung, die legal so nah wie möglich ran kommt männliche Bedürfnisse zu befriedigen.

An einer Ecke sahen wir 2 hübsche, aufreizend angezogene Vietnamesinnen in einer Bar direkt am Eingang sitzen und wir blieben für einen Moment stehen, um sie zu begutachten. Zu unserer Überraschung kamen die Mädels direkt raus zu uns und fragten uns, ob wir rein kommen wollen. Wir hatten also eine dieser Hostess Bars gefunden, wo sexy Mädels für ein paar spendierte Drinks Männern Gesellschaft leisten. Ganz wichtig: die Drinks, die man den Mädels ausgibt, werden üblicherweise mit dem drei- bis vierfachen Preis angeschrieben, wobei einem das natürlich nicht gesagt wird. Die Bar macht profit und die Mädels bekommen eine Kommission. Nach dem Flug und der Hitze am ersten Tag waren wir ziemlich kaputt und blieben nicht all zu lange.

Am nächsten Tag haben wir erstmal einen ruhigen gemacht - wir waren ja schließlich im Urlaub. Wir besuchten den Markt noch mal, wo ich noch mehr überteuerte T-Shirts gekauft habe und erkundigten uns, welche Tagestouren wir machen könnten. Prinzipiell gab es zwei Sachen, die man sich um Saigon anschauen kann: die Chu-Chi Tunnel und das Mekong-Delta.

Am frühen Nachmittag sind wir dann in einen Bezirk gefahren, wo wir bisher noch nicht unterwegs waren und fanden einen Massage-Salon. Wir konnten schlecht einen Asienurlaub ohne Massage machen. Wir haben etwa 20 Euro für die Massage bezahlt, was für über eine Stunde akzeptabel war - insbesondere, da dieser Massage-Salon ein - natürlich inoffizielles und illegales - "Happy-Ending" im Angebot hatte. Und somit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen und konnte gleich zwei Einträge auf der Liste der "Dinge die man machen muss, bevor man stirbt" abstreichen.

Am Abend sind wir dann wieder durch die Straßen gezogen. Irgendwann hat es dann auch angefangen zu regnen, wobei das gar nicht so schlimm ist. Durch die Hitze war der Regen sogar angenehm und hat nicht gestört. Nach ein wenig durch die Straßen ziehen, sind wir dann in eine Bar namens "Cloud9" gestolpert - wie am Abend zuvor eine Hostess Bar. Erholt von einem ruhigen Tag und einer Massage begannen wir uns zu betrinken und spendierten auch den Damen ein paar Drinks. Es war eine angenehme Atmosphere. Ich konnte in der Bar rauchen, es war kaum jemand anderes in der Bar und zwei bis drei Mädels schwirrten permanent um uns herum und machten leichte Konversation. Nach ein paar Stunden waren wir dann betrunken und sind gegangen. Der ganze Spaß hat uns etwa 100 Euro gekostet, immer noch weniger als wir zu zweit in Melbourne bezahlen würden, um uns abzuschießen.

Generell kann man in den Shops für ein bis zwei Euro Dosenbier und Mixgetränke kaufen und somit kann man sich mit zwanzig Euro ordentlich betrinken. Barpreise variieren: Hostess-Bars haben definitiv deftige Preise - etwa doppelt so viel wie in regulären Bars und ich habe für einen Jack+Coke etwa 5 Euro bezahlt... und 15 Euro für die Lady-Drinks.

Saturday, 12. December 2015 / Peter