Nach Neuguinea abgeschoben

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Die Tage ist Australien mal wieder in Aufruhr! Heute wurde vor der alten Bibliothek in Melbourne wieder mal demonstriert gegen den letzten Skandal in der Einwanderungspolitik von Australien. Kurz zum Hintergrund: viele Flüchtlinge aus den Schurkenstaaten kommen mit kleinen klapprigen Booten nach Australien geschippert, um in einer freien Gesellschaft zu leben. Warum sie nach Australien kommt bleibt mir ein Rätsel, denn so wirklich frei ist man hier auch nicht, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es vielleicht besser als der Iran ist, welches den größten Teil der Flüchtlingswelle stellt. Danach kommen der Irak, Afghanistan, Vietnam, Bangladesh und Sri Lanka.

Nachdem das letzte Boot vor der Küste fast untergegangen ist und man die Flüchtlinge aus dem Wasser holen musste, ist der australischen Regierung der Kragen geplatzt. Bisher wurden Flüchtlinge in ein Camp auf einer Insel verschifft, welche mitunter eher einem KZ ähnelten (Mord, Vergewaltigung, Diebstahl und sonstiges sind an der Tagesordnung). Dort warteten die Flüchtlinge auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge. Jetzt will man sämtliche Flüchtlinge permanent nach Neuguinea (ein großer Inselstaat nördlich von Australien) verschiffen.

Neuguinea ist ein Land mit vielen verschiedenen Kulturen. Die rund 7,5 Millionen Einwohner sprechen rund 800 verschiedene Sprachen und sind größtenteils Bauern. Nebenbei ist Neuguinea auch bekannt für Verletzungen von Menschenrechten und einer sehr hohen Kriminalitätsrate in der Hauptstadt. Kurz zusammengefasst ist Neuguinea also wahrscheinlich nicht viel besser als der Iran oder Bangladesh, woher viele Flüchtlinge kommen.

Interessant fand ich das Argument des Premierministers, der die Abschiebung nach Neuguinea damit begründete, dass die Insel sehr groß ist und nur wenig Einwohner hat. In Neuguinea leben rund neun Menschen auf einem Quadratkilometer. Das ist in der Tat nicht viel. Das Argument ist jedoch absurd, wenn man überlegt, dass Australien lediglich auf drei Menschen pro Quadratkilometer kommt.

Ich glaube, der Premierminister will nur nicht, dass sehr arme Flüchlinge in "seine" schönen und wohlhabenden Metropolen strömen. Als ich mich mit einem Studenten aus Vietnam unterhalten habe, meinte der, dass man die Tage unglaublich viel Geld in einen Visa-Antrag pumpen muss, bevor man durchkommt. Außerdem muss man nachweisen, dass man noch mehr Geld hat. Und auch mein eigener Visa-Antrag dauerte diesmal deutlich länger, wobei ich in der glüchlichen Situation war, dass meine Firma sich darum gekümmert hat und ich einen Hochschulabschluss besitze. Letztes Mal musste ich jedoch auch einen Kontoauszug vorlegen, der ein gewisses Grundkapital nachwies. Das Ganze stinkt nach Selektion und Australien wird von der UN bereits hart kritisiert für diese deutliche Abwendung von Menschen, die eine risikoreiche Reise auf sich nehmen, weil sie in ihrem eigenen Land nicht überleben können. Dabei leben gerade mal 30.000 Flüchtlinge in Australien. Verglichen mit Deutschland (eine halbe Million) ist das ein Klacks, selbst wenn man mit einbezieht, dass Deutschland etwa vier Mal mehr Einwohner hat.

Saturday, 27. July 2013 / Peter