Outback Tag 2 - Kings Canyon

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Nachdem wir am ersten Tag lediglich von Alice Springs zum Uluru Resort (20 Kilometer entfernt vom Ayers Rock) gefahren sind, schmiedeten wir am Abend an der Bar Pläne für den nächsten Tag. Das erste Ziel sollte der Kings Canyon nordöstlich vom Uluru sein. Also sind wir am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück aufgebrochen, um  fast die halbe Strecke wieder zurück nach Alice Springs zu fahren. Irgendwann nach ein paar Stunden sind wir dann abgebogen und noch mal ein paar Stunden Richtung Norden gefahren. Ich habe währenddessen weiter geschlafen und bin wie üblich gegen Mittag aufgestanden - oder vielmehr aus dem Auto gestiegen.

Als ich aufwachte, kamen wir gerade an einer Tankstelle ziemlich in der Nähe vom Kings Canyon an und der Tank unseres Mietwagens war so gut wie leer. $150 später war er wieder voll und wir begutachteten Kamele, die neben der Tankstelle rumlagen. Ich habe bestimmt in den letzten 20 Jahren kein Kamel mehr in echt gesehen, entsprechend begeistert war ich. Ansonsten wirkte alles etwas seltsam, aber enorm friedlich. Irgendwie so, wie man es in einem Western-Film sieht - das einzige was man hört ist ein Schild an einem Metalgestänge, was sich im Wind wiegt und metallische Geräusche von sich gibt.

Es gab wieder jede Menge Fliegen, die einem permanent im Gesicht rumschwirren und in alle erreichbaren Körperöffnungen kriechen. Ich war diesmal mit einem Fliegennetz über meinem Kopf gewappnet - ich war also gut gerüstet für unsere erste Tour.

Ein paar Kilometer hinter der Tankstelle ging es dann rechts ab zu einem Parkplatz am Fuße des Kings Canyon. Der Kings Canyon ist nichts weiter als ein Tal. Laut Informationsschildern am Parkplatz ist der Kings Canyon jedoch ein "echter" Canyon - nicht wie der Grand Canyon in den U.S.A, der wohl nur eine Auswaschung ist.

Wir entschieden uns für die 4-stündige Tour und mit ausreichend Wasser bewaffnet starteten wir den Aufstieg zum Rand des Canyons. Während des Aufstiegs auf über etwa 150 Meter konnte man - vom Canyon weg blickend - die unendliche Einöde des australischen Outbacks, inklusive eines wolkenfreien Himmels, bewundern.

Es war ziemlich heiß. Das Thermometer war mittlerweile auf rund 35° gestiegen und entsprechend hoch war der Wasserverbrauch, den man im Auge behalten sollte. Unterwegs sahen wir Bäume mit komplett weißer Rinde - nicht zu verwechseln mit der europäischen Birke - und jede Menge seltsame und auf diese Weise interessante Gesteinsformationen.

Oben angekommen kann man ein paar Kilometer den Canyonrand entlang in den Canyon reinlaufen und dann auf der anderen Seite zurück. Das was man am meisten sieht sind Steine, Steine und nochmals Steine. Über Jahrmillionen ausgewaschen und absurd verformt. Wenn man dann mal direkt an den Rand kommt, sieht man wie üblich in Australien überall "WARNING"-Schilder mit witzigen Abbildungen von Strichmännchen, die in den Abgrund stürzen.

Es waren entgegen meinen Erwartungen richtig viele Touristengruppen unterwegs und da es eigentlich nur einen Weg am Rand entlang gibt, war ich ziemlich schnell genervt von dem ständigen Geplapper, dem man einfach nicht entkommen konnte. So sehr das manche überraschen mag, aber wenn ich Natur genieße, bevorzuge selbst ich meine Ruhe.

Am Rand des Canyons hatte man einen fantstischen Ausblick auf die gegenüberliegende, nahezu senkrecht abfallende, Wand des Canyons. Wenn ich Geologe wäre, hätte ich wahrscheinlich dort mein Zelt aufgebaut und wochenlang Steine untersucht. Man konnte an Stellen, wo erst frisch Gestein abgebrochen war Jahrtausende von Gesteinsschichten sehen, was durchaus interessant war und einem wieder mal bewusst gemacht hat, wie wenig ein paar hundert Jahre auf diesem Planeten sind.

Nach reichlich vier Stunden kamen wir dann ein wenig erschöpft am Parkplatz wieder an und machten uns auf dem Heimweg, wo wir erst nach Sonnenuntergang ankamen. Kings Canyon war toll anzusehen. Man konnte eine schöne Wandertour machen und Natur pur erleben (mal abgesehen von den 30 Touristen, die für meinen Geschmack zu viel waren). Die spektakulären Steilwände und interessanten Gesteinsformationen waren sicherlich das Highlight dieser Tour.

Thursday, 12. September 2013 / Peter