Pech für die Deutschen

Vor einem Monat war es mal wieder soweit. Die Saisoneröffnung für die Formel 1 stand wieder mal vor meiner Haustür und ich war echt am überlegen dieses Jahr nicht hinzugehen, insbesondere weil Regen angesagt war. Am Ende hat dann aber meine Lust gesiegt und ich habe mir am Samstagabend mein Ticket für Sonntag gekauft und mich auf jede Menge PS, dröhnende Motoren und das ganze Drumherum gefreut.

Am Samstagabend habe ich mir die Qualifikation im Fernsehen angeschaut und gesehen, wie Räikkönen geschickt Vettel seine Qualifikation vermiest hat. Das war natürlich ein Riesenpech für den Weltmeister, aber so wirklich gejuckt hat mich das dann doch nicht. Wenn man den Blogtitel liest und weiß, dass es um Formel 1 geht, könnte man vermuten, dass ich mit Vettels Pech sympathisiere, aber das ist nicht der Fall. Ich werde später darauf zurück kommen.

Fangen wir also an. Ich bin zum Albert Park gelaufen, weil die Straßenbahnen alle überfüllt waren und kam dann etwa gegen Mittag an. Das V8-Rennen - der Höhepunkt für mich am Sonntag - war wieder mal geil gewesen.

Interessanterweise hat diesmal ein blauer Volvo gewonnen, wo doch normalerweise nur Holdens (das australische Äquivalent zum Opel) und Fords um den Sieg fahren. Dann gab es auch wieder den Porsche Carrera Cup, der die letzten Jahre sehr langweilig war, weil die "Rennwagen", wenn man sie überhaupt so nennen kann, eher wie Straßenwagen aussahen und auch nicht wirklich schneller waren. Dieses Jahr gab es einen frischen Satz Autos mit deutlich mehr PS und den ganzen Racing-Schnickschnack. Wir haben uns das ganze Rennen angeschaut und waren nicht zu sehr gelangweilt, auch wenn die Rennaktion natürlich nicht an das V8-Rennen herankommt.

Über den Nachmittag hinweg gab es wieder die gewohnte Unterhaltung auf dem Renngelände. Boxenluder, Oldtimer und Rennwagen überall. Männertag 3.0. Leider wurde ich aber dennoch ein wenig enttäuscht, denn ich habe keine Ausstellung eines McLaren P1 oder Porsche 918 finden können. Die zwei Autos hätten mich besonders interessiert, weil die zwei offenbar die nächste Generation sind, aber da muss man dann wohl doch zu einer Automesse gehen..

Es war trotzdem ein schöner Nachmittag mit akzeptablen Wetter. Etwa eine Stunde vor dem eigentlichen Formel 1 Rennen machten wir uns dann auf den Weg zu der Stelle, die ich für dieses Jahr rausgesucht hatte. Wir mussten durch den halben Albert Park rennen und kamen dann auch über eine größere Wiese mit Fressbuden und Fanartikel-Shops. Als ich dann gerade nach rechts geguckt habe, riefen meine Kumpels plötzlich "WOOOH". Ich dreh mich nach links und bekomme voll einen Sonnenschirm ab, der sich aus seiner Verankerung gelöst hat. Es war ziemlich windig und der Schirm hatte genug Wucht, um mir mein Bier aus der Hand zu hauen. Blöder Schirm. Ich wurde von ein paar Leuten gefragt, ob ich in Ordnung bin und mal abgesehen von einem leichten Ziehen im Oberarm war ich das auch.

Wir sind dann also erstmal weitergegangen und so langsam aber sicher kam das Gefühl zurück in meinen Arm - und damit auch der Schmerz. Es war nicht wirklich schlimm, aber ich dachte mir, dass der Muskel mindestens geprellt ist. Dann habe ich beim dranfassen festgestellt, dass es sich kühl anfühlt, wenn ich die Stelle berühre. Also habe ich mal die Jacke und den Pullover ausgezogen und nachgeschaut. Was ich zu sehen bekam, war nicht wirklich hübsch. Eine recht tiefe etwa zwei Millimeter große Wunde aus der es raussuppte. Die logische Konsequenz war erstmal in Panik zu geraten und zum nächsten Sanitäterzelt gehen. Dort haben sich zwei Sanitäter mit angewiederten Blicken die Wunde angesehen und ein Pflaster draufgeklebt, so dass ich nicht alles vollkleckere. Leider habe ich dadurch den Kampfjet verpasst, der vor dem Rennen übers Gelände fliegt und einen Höllenlärm macht. Blöder Schirm. Als der Jetüberflug vorbei war, waren wir dann fertig und wir sind weiter zu unserem Aussichtspunkt gelaufen.

Das Rennen war diesmal sehr interessant. Unser Platz an der Rennstrecke stellte sich als ziemlich gut heraus, da wir direkt an einer scharfen Kurve nach einer Geraden standen, aber trotzdem auch noch die nächsten drei schnellen Kurven sehen konnten. Wir sind auch diesmal das ganze Rennen über an der selben Stelle geblieben, wo wir doch sonst irgendwann versucht hatten ein besseres Plätzchen zu finden.

Die letzten zwei Jahre kam man ohne Ohrstöpsel überhaupt nicht klar, weil die Formel 1 Wagen einfach viel zu laut sind. Wenn die bis auf 20.000 Umdrehungen hochdrehen, dann platzen einem die Ohren. Dieses Jahr waren die Kisten so leise! Endweder ich werde langsam taub oder das hängt mit den geänderten Regeln zusammen, demzufolge die Autos seit diesem Jahr nur noch einen breiten Auspuff haben. Ein Kollege der direkt am Albert Park wohnt meinte auch, dass es das erste Jahr war, wo er das Fenster aufmachen musste, um das Rennen zu hören, wo er in den vergangenen Jahren nicht mal ein Telefongespräch bei geschlossenem Fenster führen konnte wegen des Lärms. Mir hat das sehr gut gefallen. Die tiefere Note klingt einfach deutlich besser als die schreienden Motoren der Vergangenheit. Außerdem konnten wir so diesmal sogar den Kommentator verstehen und somit etwas mehr vom Rennen mitbekommen. Danke.

Wir haben uns dann ein paar Bier reingekippt und zugeschaut, wie Nico Rosberg einen grandiosen Sieg einfährt. Nach dem Rennen sind wir dann direkt raus raus gegangen. Zunächst waren wir eh viel zu weit von der Boxengasse entfernt, um rechtzeitig zur Siegerehrung dort zu sein. Außerdem haben wir letztes Jahr sehr schlechte Erfahrungen gesammelt, als wir etwa eine Stunde gebraucht haben, um aus dem Renngelände rauszukommen. Trotz dass wir so früh los gegangen sind, waren die Straßenbahnen bereits gerammelte voll und so sind wir dann in die Stadt gelaufen. Ich bin dann noch ein Stückchen weiter ins Krankenhaus, weil mir der Sanitäter empfohlen hat zumindest eine Tetanusimpfung machen zu lassen.

Saturday, 19. April 2014 / Peter